Ich muss sagen, ich bin immer wieder erstaunt, was für Halsabschneider manche Leute doch sind. Immer wieder höre ich von viel zu überteuerten Final Table Coaching Deals usw, demnach will ich nun einfach mal die Thematik für alle erklären und erklären was eine faire Beteiligung für beide Seiten wäre. Nach dem Post würden mir mit Sicherheit gern einige Coaches den Hals umdrehen, da ich ihnen das "Geschäft" kaputt mache, aber Abzocke is halt auch nicht das Gelbe vom Ei.
Fangen wir mal so an, ein Final Table Coaching ist im Prinzip nichts anderes wie ein normales Coaching, nur dass das ganze meist als Hilfe in einer akuten Situation gesehen wird, nichts destotrotz wollen viele Leute auch dabei lernen, damit man den nächsten Final Table evtl sogar ohne Hilfe spielen kann. Dieser Aspekt wird meist vergessen, aber das nur mal am Rande angemerkt.
Dann kommen wir nun aber zur Vergütung. Bei einem normalen Coaching hat jeder Coach seine feste hourly, die man auch (zumindestens bei den offizielen Coaches) nachschauen kann, sagen wir mal zum Beispiel 50$/h.
Bei einem Final Table Coaching ist es allerdings meist so, dass der Coachling in einer extremen Situation ist, sagen wir mal ein 8$ Rebuy spielt und ein Coaching für 50$/h über seine BR liegt, daher macht man das ganze nicht fix, sondern prozentual gewinnabhängig. Heißt also, wenn er früh rausfliegt gibts wenig, wenn er gewinnt gibts mehr. Was die meisten Coaches dann aber nicht verstehen ist, dass wenn man eine Stunde arbeitet, die eigene hourly Rate bei 50$/h und der Coachling das Turnier gewinnt ist man im Grunde glücklich mit einer Beteiligung von 200$, egal ob der Coachling nun 1k oder 10k gewonnen hat. Meistens liest man ja immer solche Sachen ala "ich nehm immer 5%", was wenn man es runter rechnet einfach Abzocke ist, weil es meist eine fixe hourly rate von 200$+/h zu Grunde hätte, die eben nur wenige Coaches auch real nehmen.
Im Prinzip sollte das Ganze also so aussehen und das ist auch der Grund warum ich am Anfang meiner Coachings immer 2-5min brauche und ein wenig rumrechne.
1) Man rechnet sich aus wie viel die eigenen Chips wert sind.
Einfach mit ICM oder notfalls grob überschlagen, addiert man den Preispool der Leute die noch im Spiel sind, d.h. bei 9 Leuten left eben die ersten 9 Plätze und teilt das ganze dann durch 9. Wenn man Average Chips hat ist das ein guter Richtwert, wenn man double Average hat multipliziert man den Wert vl noch mit 1.5 und wenn man half average hat, nimmt man 80% des Wertes. So als ganz grobe Richtlinie.
Dann weiß man schon mal wie viel die eigenen Chips wert sind
2) Nun schätzt man wie lange ein Coaching IM SCHNITT! gehen wird. Kann man an Hand der Blindlevel, der Average Chips usw mehr oder weniger gut abschätzen. Wichtig ist halt im Schnitt und nicht im Extremfall.
Dann hab ich nun z.B. Zahlen raus ala die Chips sind 3000$ wert und ein Coaching geht im Schnitt 90min.
3) Nun rechne ich das auf meine hourly runter. Die wäre nun z.B. 50$/h, ich coache 90min, also 1.5h, also 75$ im schnitt fürs Coaching. 75$ sind 2.5% von den 3000$, also wäre meine Beteiligung 2.5%
Das kann jeder, der gecoacht wird auch eben selber schnell machen um zu überprüfen. Alternativ sollte man einfach auf eine feste hourly bestehen und fix die 50$/h zahlen. Wenn man wirklich Erster oder so wird, kann man ja noch ein kleines Trinkgeld drauflegen, wenn man 100$ fürs Coaching bezahlt und 10k gewinnt, sind nochmal 100$ sicherlich eine nette Geste und nicht allzu viel, das ist aber jedem selbst überlassen.
Wenn ich höre, dass Coaches die lächelnd für 50$/h coachen würden bei nem Final Table Coaching ne höhere prozentuale Beteiligung nehmen würden als ich (meine Coaching hourly liegt respektive bei 300$/h) denk ich mir jedes mal nur wtf? Entweder werden die Leute ausgenutzt, weil sie es nicht besser wissen, weil sie die Hilfe dringend benötigen oder auch kein anderer Coach online ist. Und viele denken sich, dass wenn sie nen Final Table coachen, sie ja auch viel leisten und wollen ein faires Stück vom Kuchen haben, dabei vergessen Coaches immer wieder, dass so ein Coaching für sie komplett ohne Risiko ist, d.h. ohne eigenes Geld zu riskieren.
Als letztes sei noch erwähnt, dass ein Unterschied ob 5% oder 7% Beteiligung sich nun nicht wirklich groß anhört, wenn man sich die Zahlen aber mal genau anschaut ist es immens. Je nach größe des Turniere kann es riesig sein, viele kleine Turniere haben Teilnehmerzahlen von 1000+. Wenn ich es bei so einem Turnier nun mal an den FT schaffe, dann schaffe ich das nur jedes 100mal im Durchschnitt. Da so ein großer Cash bei Turnierspieler den Großteil des positiven ROIs ausmacht sind es halt nicht 2% Differenz im ROI, sondern eher 20%+ und das ist schon ne Menge. Natürlich wenn man genau weiß, dass man einfach zu nervös, zu unsicher oder zu schlecht spielt und Hilfe braucht, bzw sich einen Fehler mehr vorwerfen würde wie das verzichten auf Hilfe, dann ist FT Coaching ratsam, generell ist es aber immer ein guter Einschnitt in die Winnings und wenn man dabei dann noch unnötiger und unfairerweise zu viel bezahlt einfach nur schlecht für einen selbst.
Also beim nächsten FT Coaching rechnet euch das selbst mal fair durch oder handelt einen Fixpreis pro Zeit aus. Wenn man früh busted geht das Coaching natürlich auch nicht so lange und man bezahlt auch nicht so viel. Ein fairer prozentualer Deal ist allerdings mit Sicherheit das beste (und auch für den Coach am motivierensten).
Am Ende des Posts natürlich die obligatorische Eigenwerbung mit meinen Kontaktdaten für ein Coaching, am besten einfach per Skype direkt anrufen, das hört man auch, wenn man nicht direkt vorm PC sitzt und oft hab ich den Rechner nachts nur an, falls ein Anruf mal reinkommen sollte. Ich coache halt seit bestimmt über nem Jahr nichts anderes mehr als Final Tables oder eben Step6’s, die normalen Coachings habe ich an den Nagel gehängt, da ich mir die Konkurrenz nicht selbst heranzüchten möchte und ein Final Table einfach viel mehr Spaß macht und immer wieder was neues bietet.
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